König Gustav-Adolf von Schweden

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648), entstanden aus innerterritorialen Streitereien, entwickelte sich zu einem überregionalen Konflikt innerhalb des Römisch-Deutschen Reiches und schließlich zu einem gesamt europäischen Krieg.

Nachdem Dänemark aus diesem Krieg ausgeschieden war, sah König Gustav-Adolf von Schweden seine Chance gekommen seine hegemonischen Ansprüche in Nordosteuropa durchzusetzen.

Insgesamt ist die folgende Darstellung nur eine Episode dieses fürchterlichen Krieges, aber für die Geschichte der Stadt Werben schon ein herausragendes Ereignis. Werben war übrigens schon vor Eintreffen des Schwedenkönigs durch Kriegshandlungen ausgeplündert und schwer beschädigt. Gustaf-Adolf hatte erkannt das die Lage an der Elbe und der Havelmündung strategisch bedeutsam war.

Am 11. Juli traf der König in Werben ein und nahm im „Goldbeckschen“, am Markt gelegenen Hause Quartier. Er wohnte natürlich nicht ständig in diesem Hause, sondern war meistens bei seinen Truppen.
(Das Haus, das nach einer Inschrift über der Haustür 1241 erbaut gewesen sein soll, stürtzte 1793 meistenteils ein und wich einem Neubau.)

Heute erinnert eine Tafel an jenem Haus an dieses Ereignis.

Zunächst legte er vor dem Elbtor ein befestigtes Lager an und besetzte die Stadt. Nach einem Scharmützel mit den kaiserlichen Truppen unter Tilly, bei dem die Schweden Sieger blieben lies er die berühmte Werbener Schanze anlegen. Nach Fertigstellung verließ er Werben für immer und zog in Richtung Süden. Um diese Befestigung wurde 10 Jahre gerungen bis sie 1641 schließlich geschleift wurde. Das Schicksal der Werbener Schanze war auch das der Stadt, verwüstet, ausgeplündert und menschenleer.

Zum 300. Jahrestag des Eintreffens des Schwedenkönigs wurde 1931 eine Gedenksäule am Rathaus feierlich enthüllt. Das Schwedische Königshaus war an den Baukosten beteiligt. Die Inschrift lautet “ Dem Gedächtnis König Gustav-Adolf von Schweden.

Auf den Spuren König Gustav Adolfs in Deutschland
anhand Friedrich Schillers    „Geschichte des dreißigjährigen Kriegs“

1789 bot der Verleger Göschen Friedrich Schiller an, einen Aufsatz über den dreißigjährigen Krieg zu schreiben. der in Göschens historischen Kalender erscheinen sollte.
Schiller nahm dieses Angebot gerne an, war es doch auch mit einem Gebot von 400 Talern verbunden und Schiller im Begriff einen eigenen Hausstand zu gründen.
Das Thema gefiel Schiller, ihn beeindruckten schon lange die Person König Gustav-Adolfs und auch die Wallensteins, dessen großen Gegner..
Der Aufsatz fand so großen Anklang, dass der Kalender im März 1791. nachgedruckt wurde.
Aus diesem Aufsatz wurde dann mit einer letzten Ausgabe im Jahre 1802 ein historisches Werk geschaffen, das in manchen Details nicht mehr dem Stand der Wissenschaft entspricht,
literarisch aber unerreicht ist. Dabei liest es sich, trotz der altmodischen Sprache ungeheuer spannend. Wer deshalb auf den Spuren König Gustav Adolfs in Deutschland unterwegs ist, kann sich keinen größeren Gefallen tun, als sich mit diesem Werk zu beschäftigen.
Im Folgenden werden Auszüge wiedergegeben, die einzelne Stationen auf dem Wege
Gustav Adolfs und der schwedischen Armee behandeln

4. Werben,    Juli 1631
Tilly nahm sein Lager diesseits des Flusses zu Wolmirstedt. Gustav Adolf hatte das seinige auf eben dieser Seite bei Werben unweit dem Einfluss der Havel in die Elbe bezogen. Gleich seine Ankunft in diesen Gegenden verkündigte dem Tilly nichts Gutes. Die Schweden zerstreuten drei seiner Regimenter, welche entfernt von der Hauptarmee in Dörfern postiert standen, nahmen die eine Hälfte ihrer Bagage hinweg und verbrannten die übrige. Umsonst näherte sich Tilly mit seiner Armee auf einen Kanonenschuss weit dem Lager des Königs, um ihm eine Schlacht anzubieten. Gustav, um die Hälfte schwächer als Tilly, vermied sie mit Weisheit. Sein Lager war zu fest, um dem Feind einen gewaltsamen Angriff zu erlauben. Es blieb bei einer bloßen Kanonade und einigen Scharmützeln, in welchen allen die Schweden die Oberhand behielten. Auf dem Rückwege nach Wolmirstedt verminderte sich die Armee des Tilly durch häufige Desertionen. Seit dem Blutbade zu Magdeburg floh ihn das Glück. Desto ununterbrochener begleitete es von nun an den König von Schweden. Während er zu Werben im Lager stand, wurde das ganze Mecklenburg durch seinen General Tott und den Herzog Adolf Friedrich erobert, und er genoss die königliche Lust, beide Herzöge in ihre Staaten wieder einzusetzen.  Er reiste selbst nach Güstrow, wo die Einsetzung vor sich ging, um durch seine Gegenwart, den Glanz dieser Handlung zu erheben….
Bald nach seiner Rückkunft nach Werben erschien der Landgraf von Hessen-Kassel in seinem Lager, um ein enges Bündnis auf Verteidigung und Angriff mit ihm zu schließen – der erste regierende Fürst in Deutschland, der sich aus freien Stücken und öffentlich gegen den Kaiser erklärte.

(Ein Beitrag von Hans-Joachim Gast, Werben)