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KIRCHSPIEL WERBEN – Pfarrhaus bleibt ohne Pfarrer

Ein Hieb: Das Kirchspiel Werben verliert nach dem Weggang von Jan Foit seine Pfarrstelle, es geht teils oder ganz nach Seehausen über.

Von Karina Hoppe (Volksstimme vom 25.01.2018)

Werben l Die mächtige St. Johanniskirche ohne eigenen Pfarrer. Oder zumindest ohne Pfarrer, der nebenan im Pfarrhaus wohnt. Daran werden sich die Gemeindeglieder des Kirchspiels Werben gewöhnen müssen. Auch daran, dass es das Kirchspiel in seiner jetzigen Form nicht mehr lange geben wird. Entweder nämlich, es geht komplett an den Pfarrbereich Seehausen über oder es wird aufgeteilt. Berge und Giesenslage nach Königsmark zu Pfarrer Jens Födisch und Werben, Neukirchen, Wendemark und Lichterfelde nach Seehausen zu Pfarrerin Almut Riemann. Letztere Variante erschien am Dienstagabend im Werbener Pfarrhaus als die favorisierte. Wobei von favorisiert eigentlich keine Rede sein kann. Denn natürlich würden die Gemeindeglieder gerne wieder einen eigenen Pfarrer haben, der Groll über den Verlust wurde in der öffentlichen Gemeindekirchenratssitzung deutlich.
Raum erhielten aber zunächst die Erläuterungen von Cornelia Herrmann, der Vorsitzenden des Stellenplanausschusses im Kirchenkreis. Denn dass Werben nicht wieder in üblicher Weise besetzt werden kann, hänge vor allem mit dem landeskirchlich bestimmten Stellenschlüssel zusammen. Gemessen an der Anzahl der Landgemeinden, der Einwohnerzahl, der Gemeindegliederzahl und dem Christenanteil an der Bevölkerung stehen dem Kirchenkreis Stendal knapp über 40 Stellen (Pfarrstellen, Gemeindepä­dagogen und Kirchenmusiker) zur Verfügung.
Seit Jahren beschäftige der Kirchenkreis einige Stellen über dem (von der Landeskirche finanzierten) Soll, konnte dies aber bisher durch Rücklagen (vor allem aus Vakanzen) ausgleichen. „Ändern wir nun aber nichts, haben wir die Rücklagen in drei Jahren aufgebraucht“, so Kleemann. Die Situation verschärfe sich noch dadurch, dass das Verhältnis von einer vollen Stelle zu Gemeindegliederzahl ab 2019 eins zu 1375 lautet, statt vorher eins zu 1200.
So sei der Kirchenkreis gezwungen, zu handeln, „wir stehen ja auch als verlässlicher Arbeitgeber in der Pflicht“, so Kleemann. Im Übrigen sei Jan Foit mit seinem Weggang dem Kirchenkreis nur zuvor gekommen. Foits halbe Stelle als Kreisjugendreferent hätte 2019 ohnehin zur Disposition gestanden – auch aus Stellenplangründen. „Und von einer halben Pfarrstelle hätte Jan nicht leben können.“
Der Unmut der Werbener wollte aber raus. Nicole Sperling monierte, „dass gerade die Jugendarbeit, das Moderne, was die jungen Leute angesprochen hat, wegbricht“. Kleemann verwies darauf, dass Werben mit Foit „natürlich jemanden mit einem ausgesprochenen Händchen für Jugendarbeit und Familien hatte“. In dieser Hinsicht habe Werben zuletzt sozusagen in einer Komfortzone gelebt, da der Kreisjugendreferent vor Ort wohnte. „Aber gute Jugendarbeit soll nicht an einen Jugendreferenten gebunden sein“, so Kleemann.
Sie sei normale Pfarrerangelegenheit, früher habe es diese Spezialisierungen gar nicht gegeben. „Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass die Seehäuser Pfarrerin hier präsent sein wird?“ So fragte Jochen Hufschmidt. „Die Erfahrung“, antwortete Kleemann. Die Werbener sei beileibe nicht die erste Pfarrstelle, die gestrichen wird. „Bisher ist die Welt nicht untergegangen.“ Außerdem sei Almut Riemann eine starke Kollegin. Und die Gottesdienststruktur befinde sich ohnehin im Wandel.
Für den Berger Jens Wöge-Fischer macht die Kirche dieselben Fehler wie die Politik. Erst werde alles kaputt geschrumpft und dann unter Schmerzen wieder geheilt. „Die Politik hat jetzt auch begriffen, dass es mehr Lehrer und Polizei braucht“. Man könne aber jeden Euro nun mal nur einmal umdrehen, so Kleemann.
Schließlich wurde von Karsten Reinhardt, dem stellvertretenden GKR-Vorsitzenden, auch Kritik an Foit laut. „Ich mag ihn, ganz dolle sogar, aber er hat uns ein Jahr nicht die Wahrheit gesagt.“ Einen besseren Informationsfluss hätte sich auch Ulla Mattern aus Berge gewünscht.
Schließlich sagte auch Kleemann: „Der Verlust einer Stelle ist ärgerlich und schmerzlich. Wir können ihn nicht golden lackieren.“ Aller Voraussicht nach werde die Neuordnung noch vor dem Sommer greifen.