Ev. Kirche

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KIRCHSPIEL WERBEN
„Neue Wege“ mit Pfarrerin Riemann

Werbens St. Johannis gehört demnächst zum Pfarrbereich Seehausen. Dann findet in dem mächtigen Gebäude auch der erste gemeinsame Gottesdienst statt. 

Am 1. Juli fusioniert ein Teil des Kirchspiels Werben mit dem Pfarrbereich Seehausen – und predigt schon Almut Riemann in St. Johannis.

Von Karina Hoppe, Volksstimme 

 „Der Verlust einer Stelle ist ärgerlich und schmerzlich. Wir können ihn nicht golden lackieren. Aller Voraussicht nach wird die Neuordnung noch vor dem Sommer greifen“, so sprach Superintendent Michael Kleemann im Januar im Werbener Pfarrhaus. Mit dem gestrigen Sommeranfang kommt der Wechsel quasi fast punktgenau. Ab Sonntag, 1.  Juli, gehören die Gemeindeglieder aus Werben, Räbel, Wendemark, Neukirchen, Lichterfelde und Ferchlipp als Kirchspiel-Einheit – noch ohne festen Namen – dem Pfarrbereich Seehausen an, während Berge und Giesenslage künftig an den Pfarrbereich Königsmark, innerhalb dessen an das Kirchspiel Königsmark-Meseberg angegliedert werden. Dafür gibt es laut Pfarrer Jens Födisch aber noch keinen genauen Termin.

Erst Pfarrer Jan Foits Weggang, dann die Streichung der (halben) Werbener Pfarrstelle – der Gemeindekirchenrat Werben hatte einiges zu verdauen in den vergangenen Monaten. „Es war sehr stressig“, sagt die Vorsitzende Anna Radtke, die nach dem Rückzug von Karsten Reinhardt mit Christoph Schorlemmer nun auch einen neuen Stellvertreter an ihrer Seite hat. Familienabende, Adventsfreizeit, Gemeindeblatt: Der erste Impuls des Gemeindekirchenrates, vom früheren Gemeindeleben aufrecht zu erhalten, was lieb gewonnen war, habe sich laut Anna Radtke bald als nicht realisierbar herausgestellt. „Wir können ja auch nicht die Aufgaben des Pfarrers übernehmen.“ Der Gemeindekirchenrat habe mit der Verwaltungsarbeit ohnehin genug zu tun. So steht am Ende doch der Satz: „Es wird ein Neuanfang.“ Folgerichtig heißt es seitens Gemeinderkirchenrat in der Einladung an die Gemeinde für den ersten Werbener Gottesdienst von Altmut Riemann: „Lassen Sie uns im Gottesdienst gemeinsam die vergangene Zeit beschließen, den Sonntag feiern und von Gottes Wort gestärkt, getröstet und ermutigt neue Wege gehen!“

Von einem Neuanfang spricht auch Almut Riemann – einem Neuanfang für alle. Der Pfarrbereich Seehausen wird erweitert, die größten Orte darin sind nun Seehausen und Werben. „Dort wird auch das meiste stattfinden.“

Jeden Sonntag um 10.30 Uhr in Seehausen predigen – das könne Altmut Riemann nicht aufrecht erhalten. Regelmäßige Gottesdienste indes schon. Die Pfarrerin spricht von thematischen Gottesdiensten auf den Dörfern. Davon, dass sie überall Präsenz zeigen und auch viele Besuche abhalten möchte. In Einzelgesprächen bekomme man immer noch am besten heraus, wo die Bedürfnisse liegen. „Ich bin Seelsorgerin.“

Almut Riemann sei sich der großen Herausforderung sehr wohl bewusst, sehe aber genauso klar Chancen dieses Neuanfangs. Den Gottesdienst in Werben am Sonntag, 1. Juli, ab 10.30 Uhr Uhr wird sie gemeinsam mit Superintendent Michael Kleemann halten. Im Anschluss gibt es noch ein Kirchenkaffee. Es ist ein Gottesdienst für alle Gemeindeglieder des neu aufgestellten Pfarrbereiches Seehausen. Und die, die es vielleicht werden wollen.


 

KIRCHSPIEL WERBEN – Pfarrhaus bleibt ohne Pfarrer

Ein Hieb: Das Kirchspiel Werben verliert nach dem Weggang von Jan Foit seine Pfarrstelle, es geht teils oder ganz nach Seehausen über.

Von Karina Hoppe (Volksstimme vom 25.01.2018)

Werben l Die mächtige St. Johanniskirche ohne eigenen Pfarrer. Oder zumindest ohne Pfarrer, der nebenan im Pfarrhaus wohnt. Daran werden sich die Gemeindeglieder des Kirchspiels Werben gewöhnen müssen. Auch daran, dass es das Kirchspiel in seiner jetzigen Form nicht mehr lange geben wird. Entweder nämlich, es geht komplett an den Pfarrbereich Seehausen über oder es wird aufgeteilt. Berge und Giesenslage nach Königsmark zu Pfarrer Jens Födisch und Werben, Neukirchen, Wendemark und Lichterfelde nach Seehausen zu Pfarrerin Almut Riemann. Letztere Variante erschien am Dienstagabend im Werbener Pfarrhaus als die favorisierte. Wobei von favorisiert eigentlich keine Rede sein kann. Denn natürlich würden die Gemeindeglieder gerne wieder einen eigenen Pfarrer haben, der Groll über den Verlust wurde in der öffentlichen Gemeindekirchenratssitzung deutlich.
Raum erhielten aber zunächst die Erläuterungen von Cornelia Herrmann, der Vorsitzenden des Stellenplanausschusses im Kirchenkreis. Denn dass Werben nicht wieder in üblicher Weise besetzt werden kann, hänge vor allem mit dem landeskirchlich bestimmten Stellenschlüssel zusammen. Gemessen an der Anzahl der Landgemeinden, der Einwohnerzahl, der Gemeindegliederzahl und dem Christenanteil an der Bevölkerung stehen dem Kirchenkreis Stendal knapp über 40 Stellen (Pfarrstellen, Gemeindepä­dagogen und Kirchenmusiker) zur Verfügung.
Seit Jahren beschäftige der Kirchenkreis einige Stellen über dem (von der Landeskirche finanzierten) Soll, konnte dies aber bisher durch Rücklagen (vor allem aus Vakanzen) ausgleichen. „Ändern wir nun aber nichts, haben wir die Rücklagen in drei Jahren aufgebraucht“, so Kleemann. Die Situation verschärfe sich noch dadurch, dass das Verhältnis von einer vollen Stelle zu Gemeindegliederzahl ab 2019 eins zu 1375 lautet, statt vorher eins zu 1200.
So sei der Kirchenkreis gezwungen, zu handeln, „wir stehen ja auch als verlässlicher Arbeitgeber in der Pflicht“, so Kleemann. Im Übrigen sei Jan Foit mit seinem Weggang dem Kirchenkreis nur zuvor gekommen. Foits halbe Stelle als Kreisjugendreferent hätte 2019 ohnehin zur Disposition gestanden – auch aus Stellenplangründen. „Und von einer halben Pfarrstelle hätte Jan nicht leben können.“
Der Unmut der Werbener wollte aber raus. Nicole Sperling monierte, „dass gerade die Jugendarbeit, das Moderne, was die jungen Leute angesprochen hat, wegbricht“. Kleemann verwies darauf, dass Werben mit Foit „natürlich jemanden mit einem ausgesprochenen Händchen für Jugendarbeit und Familien hatte“. In dieser Hinsicht habe Werben zuletzt sozusagen in einer Komfortzone gelebt, da der Kreisjugendreferent vor Ort wohnte. „Aber gute Jugendarbeit soll nicht an einen Jugendreferenten gebunden sein“, so Kleemann.
Sie sei normale Pfarrerangelegenheit, früher habe es diese Spezialisierungen gar nicht gegeben. „Was gibt Ihnen die Zuversicht, dass die Seehäuser Pfarrerin hier präsent sein wird?“ So fragte Jochen Hufschmidt. „Die Erfahrung“, antwortete Kleemann. Die Werbener sei beileibe nicht die erste Pfarrstelle, die gestrichen wird. „Bisher ist die Welt nicht untergegangen.“ Außerdem sei Almut Riemann eine starke Kollegin. Und die Gottesdienststruktur befinde sich ohnehin im Wandel.
Für den Berger Jens Wöge-Fischer macht die Kirche dieselben Fehler wie die Politik. Erst werde alles kaputt geschrumpft und dann unter Schmerzen wieder geheilt. „Die Politik hat jetzt auch begriffen, dass es mehr Lehrer und Polizei braucht“. Man könne aber jeden Euro nun mal nur einmal umdrehen, so Kleemann.
Schließlich wurde von Karsten Reinhardt, dem stellvertretenden GKR-Vorsitzenden, auch Kritik an Foit laut. „Ich mag ihn, ganz dolle sogar, aber er hat uns ein Jahr nicht die Wahrheit gesagt.“ Einen besseren Informationsfluss hätte sich auch Ulla Mattern aus Berge gewünscht.
Schließlich sagte auch Kleemann: „Der Verlust einer Stelle ist ärgerlich und schmerzlich. Wir können ihn nicht golden lackieren.“ Aller Voraussicht nach werde die Neuordnung noch vor dem Sommer greifen.